„Grenzenlos mobil“ im ländlichen Raum

Bühl. Lange Warten auf den Bus: das erlebt Annika Hummel häufig, wenn sie am Bahnhof Bühl umsteigen will. Die Geschäftsführerin der Initiative „Magistrale für Europa“ setzt sich für einen attraktiveren und besser vernetzten Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ein. In einem Online-Vortrag des Ortsverbandes von Bündnis 90/ Die Grünen stellte sie Strategien zur Stärkung des ÖPNV im ländlichen Raumes vor.

„Der Verkehr ist der einzige Sektor, in dem Treibhausgasemissionen nicht abgenommen haben“, kritisierte Annika Hummel zu Beginn ihres Vortrags. Das Auto trage wesentlich zu dieser Entwicklung bei. Deshalb seien weitere Anstrengungen nötig, die zum Umsteigen auf Busse und Bahn motivieren. Hummel ist Geschäftsführerin der in Karlsruhe ansässigen Initiative „Magistrale für Europa“, in der sich eine Reihe von Kommunen, Regionen und Industrie- und Handelskammern zusammengeschlossen haben und die sich für einen raschen Ausbau der Schienenachse von Paris über Budapest nach Bratislava einsetzen.

„Grenzenlos mobil – oder ewiges Warten auf den Bus“ hatte die Referentin ihren Vortrag überschrieben. Als Beispiel diente ihr der Weg von ihrem Zuhause in Bühlertal zur Arbeitsstelle in Karlsruhe. Eine Stunde länger pro Tag brauche sie, wenn sie statt Fahrrad oder Auto für die Fahrt zum Bahnhof den Bus nehme. Zwar gebe es ein grundsätzlich gutes und attraktives Angebot von Bus und Bahn, dennoch seien die Zeiten fürs Umsteigen noch zu hoch. „Wir müssen daher den Bahnverkehr und den Regiobusverkehr besser vertakten“, so Hummel. Zu den Randzeiten sollten ihrer Meinung nach vermehrt Anruftaxi-Linien angeboten werden anstelle von oft ohne Gäste fahrende Busse. Nötig sei auch eine stärker „vernetzte Mobilität“ mit Carsharing-Angeboten, Leihfahrrädern und Mobilitätslösungen wie „Taxito“ – eine Art elektronischer Mitfahrerzentrale, wie sie bereits in der Schweiz erfolgreich betrieben werde.

Unterstützung für ihre Forderungen bekam sie vom grünen Landtagsabgeordneten Hans-Peter Behrens, der Mitglied im Ausschuss für ländlichen Raum des Stuttgarter Landtags ist. Landesweit müsse es zwischen 5 und 24 Uhr einen Stundentakt geben sowie ein landesweites Ticket für Busse und Bahn. „Wir wollen die Fahrgastzahlen bis 2030 verdoppeln“, kündigte Behrens an, der erneut für den Landtag kandidiert. Auch ein 365-Euro-Ticket für den Nahbereich strebe er an.

Annika Hummel ging anschließend auf weitere Themen ein, etwa die Anbindung des Nationalparks mit neuen Regiobuslinien. Dies sei ein großer Erfolg. Allerdings müssten die Kommunen nun dafür sorgen, dass dieses Angebot entsprechend beworben wird. Mit Hans-Peter Behrens war sie sich einig, dass eine Reaktivierung der grenzüberschreitenden Bahnstrecke Rastatt – Hagenau einen großen Vorteil für die gesamte Region bedeute: „Wir könnten ohne umzusteigen nach Straßburg fahren“. Sie begrüßte es deshalb, dass der Eurodistrict Pamina eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben habe. Schließlich widmete sich die Referentin in der Online-Veranstaltung der Grünen auch dem Radverkehr. Der geplante Radschnellweg von Karlsruhe nach Rastatt sei zwar zu begrüßen, müsse aber bis Bühl fortgesetzt werden. „Grenzenlos mobil“, so Annika Hummel müsse das Ziel sein, ob mit Rad oder Bahn. Das ewige Warten sollte ihrer Meinung nach bald Vergangenheit sein.

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