Planen im ländlichen Raum

Bühl. Breite Durchgangsstraßen, versiegelte Flächen, leerstehende Häuser: für Katrin Korth und Philipp Dechow sind dies Beispiele für fehlende Planung und mangelnde Konzepte im ländlichen Raum. Bei einer Online-Veranstaltung von Bündnis 90/ Die Grünen in der Region Bühl entwarfen die beiden Stadtplanungs-Experten Strategien für eine positive Entwicklung von Dörfern und Städten im ländlichen Raum.

Dr. Katrin Korth ist Stadtplanerin und arbeitet mit ihrem Büro „StadtRaumStrategien“ beispielsweise am Oberrhein und im Raum Tübingen an Dorf- und Stadtentwicklungsstrategien. Prof. Dr. Philipp Dechow forscht und lehrt an der Hochschule für Technik in Stuttgart zur Entwicklung des ländlichen Raums. Korth nannte gleich zu Beginn des Online-Vortrags die wesentlichen Herausforderungen für die Kommunen. Klimawandel, eine veränderte Mobilität, der Flächenverbrauch und eine planlose Ortsentwicklung hätten oft dazu geführt, dass der Charakter von Dörfern und Städten im ländlichen Raum verloren ging. „In den 70er Jahren wurden zum Beispiel überdimensionierte Straßen gebaut“, so Katrin Korth, „und dies wiederum führt zu hohen Geschwindigkeiten, mit denen heute durch die Orte gefahren wird. Die Dörfer sind deshalb sukzessive abweisender geworden.“

Am Beispiel von mehreren Projekten stellten die beiden Referenten Strategien vor, die diesem Trend entgegenwirken und helfen, ein harmonisches Gesamtbild wiederherzustellen. Wie zum Beispiel in dem Ort Reudern in der Nähe von Nürtingen, für das Philipp Dechow einen Dorfentwicklungsplan entworfen hat. An Stelle einer asphaltierten Kreuzung ist dort zum Beispiel ein kleiner Dorfplatz entstanden, zugunsten von Fahrradfahrern und Fußgängern. Um den Ort herum führt nun eine Streuobstpromenade mit Spielplätzen, Bienenhotels und Aufenthaltsorte für ältere Menschen. „In meinen Augen“, so Professor Dechow, „ist der ländliche Raum ein Kulturgut, das viel zu wenig beachtet wird“.

Katrin Korth betonte in ihrer Präsentation, wie wichtig die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an solchen Prozessen ist. In Rheinau-Honau steuert sie aktuell einen solchen Prozess. Mit positiven Erfahrungen: „Ich bin immer wieder erstaunt“, so Korth, „welche Ideen aus der Bürgerschaft heraus entwickelt werden“. Von einem ähnlichen Projekt in Hirschberg an der Bergstraße konnte Philipp Dechow berichten: „Aus diesem Runden Tisch sind am Ende Empfehlungen für den Gemeinderat entstanden“. Allerdings, so Korth und Dechow, fehle es den Kommunen oft an den nötigen finanziellen Mitteln für solche Planungen und Gesamtkonzeptionen. Korth: „Wir brauchen unbedingt eine bessere Förderung von solchen Konzeptionen und verpflichtende Vorgaben für die Beteiligung der Bürger.“

Hans-Peter Behrens, Landtagsabgeordneter der Grünen und Mitglied im Ausschuss für ländlichen Raum des Landtags begrüßte in der anschließenden Debatte die Vorschläge der Referenten. „Diese Ideen“, so Behrens, „passen gut zu dem, was wir Grüne erreichen wollen“. Dazu gehörten beispielsweise die Anstrengungen, bestehende Baulücken zu schließen, Flächenverbrauch zu beschränken, aber auch Einrichtungen wie Gaststätten oder Jugendtreffs im ländlichen Raum zu erhalten und zu fördern. Behrens setzt auch große Hoffnungen in die Bio-Musterregion Mittelbaden. Sie könne dazu beitragen, dass ländliche Strukturen erhalten bleiben oder etwa im Fall von Dorf- oder Hofläden erneuert werden. „Wir müssen schauen“, so Behrens, „dass Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Leben am Ort möglich ist und dass wir junge Menschen hier halten und motivieren, zu uns zu ziehen.“

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